Werden wir ärgerlich, wenn wir hungrig sind. Foto zeigt die Gesichter verärgerter Menschen.

"Hangry": Mutieren wir wirklich zur Diva, wenn wir hungrig sind?

Dass dieser Zusammenhang von Hunger und Ärger sowie Reizbarkeit – beschrieben durch die Wortverschmelzung „Hangry“ aus „hunger“ und „angry“ – tatsächlich besteht, zeigte jetzt eine aktuelle Experience-Sampling-Studie der Anglia Ruskin Universität in England und der Karl Landsteiner Universität für Gesundheitswissenschaften in Österreich.

Titelfoto: © pathdoc/stock.adobe.com

Vorherige experimentelle Laborstudien konnten zwar schon einen Zusammenhang zwischen niedrigen Blutzuckerwerten und dem Auftreten von Ärger zeigen, doch bisher fehlten Erkenntnisse aus dem Alltag: „Viele von uns sind sich bewusst, dass hungrig zu sein unsere Gefühle beeinflusst, doch überraschend wenig wissenschaftliche Forschung hat sich bisher auf den Zustand des Hangry-Seins fokussiert. Unsere ist die erste Studie, die diesen Zustand außerhalb eines Labors untersucht. In dem wir den Menschen in ihrem alltäglichen Leben folgten, fanden wir heraus, dass Hunger mit den Leveln von Ärger, Reizbarkeit und Freude verbunden war“, sagt der führende Autor der Studie, Viren Swami, Professor für Sozialpsychologie an der Angela Ruskin University.

Datengenerierung per App

Für die drei Wochen dauernde Datensammlung wurden die 64 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie fünfmal täglich zu relativ zufälligen Zeitpunkten über eine App aufgefordert, an einer kurzen Umfrage teilzunehmen. Dabei wurde etwa abgefragt, wie lange die letzte Mahlzeit zurücklag, zudem sollten die Teilnehmenden Zustände wie Hunger, Ärger, Reizbarkeit oder Freude anhand wissenschaftlich validierter Skalen einordnen.

„Dies erlaubte uns, umfangreiche Längsschnitt-Daten auf eine Weise zu generieren, die mit traditioneller, laborbasierter Forschung nicht möglich ist. Auch wenn dieser Ansatz viel Aufwand bedeutet – nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für die Forscher beim Design solcher Studien – bieten die Ergebnisse im Vergleich mit Laborstudien einen hohen Grad an Verallgemeinerbarkeit. Das gibt uns ein deutlich kompletteres Bild davon, wie Menschen die emotionalen Auswirkungen von Hunger im Alltag erfahren“, erklärt Professor Stefan Stiegler von der Karl Landsteiner Universität.

Bei einer abschließenden Nachbefragung gaben die Teilnehmenden zusätzlich Auskunft über ihr Essverhalten während der dreiwöchigen Beobachtungsphase, beispielsweise zur Frequenz der Mahlzeiten, Snack-Verhalten oder grundsätzlichen Hunger- und Sättigungsgefühlen.

Die Ergebnisse: Ob jemand hangry wird, ist sogar vorhersagbar

Ganz grundsätzlich zeigten die Studienauswertungen: Hunger war assoziiert mit größerem Ärger, größerer Reizbarkeit und geringeren Empfindungen von Freude – dieser deutliche Zusammenhang blieb auch nach der Berücksichtigung demografischer Faktoren wie Alter und Geschlecht sowie weiterer Faktoren wie Body Mass Index oder Diätverhalten substanziell.

Zudem ließen sich negative Emotionen wie Ärger, Reizbarkeit und mangelndes Vergnügen anhand des Hunger-Levels vorhersagen – sowohl auf Basis der täglichen Fluktuationen des Hungers als auch anhand der durchschnittlichen Hungerlevel der vorherigen drei Wochen.

„Obwohl unsere Studie keine Wege präsentiert, um negative, hunger-induzierte Gefühle zu entschärfen, zeigt die Forschung auf, dass die Fähigkeit, ein Gefühl zu benennen Menschen hilft, diese Gefühle zu regulieren. Beispielsweise, indem wir erkennen, dass wir ärgerlich sind, einfach weil wir hungrig sind. Deshalb könnte ein breiteres Bewusstsein für den Zustand "hangry" die Wahrscheinlichkeit reduzieren, dass Hunger zu negativen Emotionen und Verhaltensweisen führt“, sagt Professor Swami.

Natürlich lassen sich aus den Erkenntnissen auch weitere Handlungsmöglichkeiten ableiten – beispielsweise, indem durch regelmäßige (auch Zwischen-)Mahlzeiten deutliche Hungerzustände vermieden werden. Auch für die Tagesplanung lassen sich die Erkenntnisse nutzen, etwa in dem wir Meetings oder Gespräche, die Ruhe und Gelassenheit erfordern, nicht direkt vor der Mittagspause oder vor dem Abendessen einplanen. Hierzu brachte eine Studie aus dem Jahr 2011 schon eindrückliche Ergebnisse: Sie zeigte, dass Richter vor der Mittagspause weniger nachsichtig waren und härtere Urteile fällten als nach dem Essen.

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