Comic-Zeichnung eines übergewichtigen jungen Mannes, der etwas verschämt fragt: Gesund, trotz Übergewicht?

Warum nicht jedes Fett krank macht

Immer mehr Menschen weltweit leiden an Adipositas. In der öffentlichen Wahrnehmung gilt Adipositas meist als eindeutiger Risikofaktor für Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder kardiovaskuläre Krankheiten. Gleichzeitig muss Übergewicht nicht gleich ungesund sein. Ein Forscherteam aus Leipzig und Zürich hat nun untersucht, warum manche Menschen trotz Adipositas einen gesunden Stoffwechsel haben und welche Rolle das Fettgewebe spielt.

Titelfoto: © Sergii Pavlovskyi/stock.adobe.com

Zwar steigt bei starkem Übergewicht in der Regel das Risiko für Stoffwechselkrankheiten. Doch nicht alle Betroffenen erkranken. Forschende vermuten, dies könnte mit der so genannten metabolischen Gesundheit zusammenhängen, also mit der Fähigkeit des Körpers, Stoffwechselprozesse im Gleichgewicht zu halten. Von metabolischer Gesundheit spricht man, wenn die Stoffwechselprozesse im Körper optimal arbeiten. Ist das der Fall, besteht ein geringeres Risiko für bestimmte Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes. Trotz Adipositas fallen Menschen in der medizinischen Praxis immer wieder als metabolisch gesund auf. 

Das Fettgewebe unter die Lupe genommen

Um dies zu untersuchen, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Leipzig und der ETH Zürich das Fettgewebe von 77 Männern und Frauen analysiert. Obwohl alle Probandinnen und Probanden einen erhöhten BMI aufwiesen, galten nur etwa 40 Prozent als metabolisch ungesund. Ziel der Studie war es, das Fettgewebe metabolisch gesunder und ungesunder Personen insbesondere im Hinblick auf Zellzusammensetzung miteinander zu vergleichen. Dafür wurden Fettgewebeproben von viszeralem Fett (aus dem Bauchraum) und subkutanem Fett (unter der Haut) mithilfe der Einzelkern-RNA-Sequenzierungsmethode analysiert. 

Fokus auf das Fettgewebe im Bauchraum gelegt

Dabei wurde festgestellt, dass es besonders im viszeralen Fettgewebe, d.h. beim Fett im inneren Bauchraum, deutliche Unterschiede zwischen metabolisch gesunden und ungesunden übergewichtigen Personen gibt. So können die Fettzellen bei als ungesund eingestuften Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern etwa weniger effizient Fett abbauen und in Energie verwandeln, während gleichzeitig eine erhöhte Entzündungsaktivität der Fettzellen besteht. Auch bei den Mesothelzellen gibt es Unterschiede. Mesothelzellen als miteinander vernetzte Schicht kleiden Hohlräume etwa im Bauch- oder Brustraum aus und schützen innere Organe. Sie bilden als einlagige Schicht oft eine Einheit mit dem darunter in zwei weiteren Schichten folgenden Bindegewebe und sind auch als Bauchfell, Rippenfell oder Herzbeutel bekannt. Mit Barrierefunktion sind sie in der Lage, Krankheitserreger und sogenannte „unbekannte Strukturen“ dem Immunsystem zur Überprüfung (auch Abklärung) „vorzustellen“.

Im gesunden Fettgewebe können sich Mesothelzellen flexibel in andere Zelltypen umwandeln. Bei metabolisch ungesunden Menschen war die Anzahl an Mesothelzellen im Gewebe deutlich geringer, und auch ihre Fähigkeit zur Umwandlung war reduziert. Zudem konnten die Forscher keine signifikanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen finden. Zwar wurde ein Typ an Vorläuferzellen identifiziert, der ausschließlich im Viszeralfett von Frauen vorkam. Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass die wichtigsten Unterschiede im Fettgewebe zwischen metabolisch gesunden und ungesunden Personen geschlechtsunabhängig auftreten. 

Fazit: Erhöhte Entzündungsaktivität mit entscheidend für ein erhöhtes gesundheitliches Risiko

Die Studie zeigt, dass nicht das Übergewicht allein entscheidet über das Krankheitsrisiko, sondern auch die Zusammensetzung und Funktion des Fettgewebes, wobei besonders das Viszeralfett entscheidend ist. Besteht eine erhöhte Entzündungsaktivität, kann dies unabhängig von Geschlecht und BMI das Risiko für bestimmte Stoffwechselerkrankungen erhöhen. Obwohl die Forschung diesbezüglich noch am Anfang steht, liefert die Studie des Leipziger und Schweizer Teams wichtige Grundlagen für zukünftige Diagnose- und Therapieansätze von Stoffwechselerkrankungen.

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