Eine Kachelzustammenstellung mit lauter Personen in Halbportraits -- zur Darstellung der Vielfalt von Menschen

Personalisierte Ernährung – kein Mensch is(s)t wie der andere

Während in der Nachkriegszeit die Ernährungspolitik auf Versorgungssicherheit ausgerichtet war, steht die Gesellschaft heute vor gegenteiligen Herausforderungen. Die durch veränderte Ernährungsgewohheiten gesteigerte Energieaufnahme, Bewegungsmangel sowie der mit dem Alter sinkende Gesamtenergiebedarf werden in vielen Ernährungskonzepten bisher wenig berücksichtigt. Es bedarf daher einer neuen Denkweise: Personalisierte Ernährung bildet den aktuellen wissenschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Anspruch ab, Gesundheit nicht länger nur durch standardisierte Strategien, sondern auch durch individuelle Optimierung zu fördern. Dabei werden biologische, genetische, epigenetische, psychologische und soziale Aspekte miteinander verbunden, denn kein Mensch is(s)t gleich.

Autorin: Professorin Dr. Katja Lotz,
Studiengangleitung, Lehre und Forschung Personalisierte Ernährung, Duale Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn

Da es noch keine allgemeingültige Definition von Personalisierter Ernährung Anfang der 2020er Jahre gab, hat die Forschungsgruppe Personalisierte Ernährung der DHBW Heilbronn als Arbeitsgrundlage folgende Definition für Personalisierte Ernährung festgehalten:

„Die Personalisierte Ernährung ist eine über allgemeine Ernährungsempfehlungen hinausgehende, individualisierte Ernährung, die den eigenen Gesundheitsstatus und das Wohlbefinden nachhaltig optimiert. Als individuelle Faktoren können persönliche, anthropometrische, klinische, metabolomische, genetische und epigenetische Faktoren sowie die Zusammensetzung der Darm-Mikrobiota berücksichtigt werden.“

Digitalisierung als treibende Kraft zur Prävention und Therapie

Im therapeutischen Bereich sind personalisierte Konzepte längst etabliert, etwa bei der Behandlung von Diabetes, Fettstoffwechselstörungen oder onkologischen Erkrankungen. Unterstützt werden sie zunehmend durch digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). Damit trägt Digitalisierung entscheidend dazu bei, Ernährungsempfehlungen datenbasiert, effizient und patientenorientiert umzusetzen. In der Prävention nicht-übertragbarer Krankheiten wie Adipositas zeigt Personalisierte Ernährung ebenfalls großes Potenzial. Technologien wie Apps, Wearables und KI-gestützte
Programme ermöglichen die kontinuierliche Erfassung individueller Gesundheits- und Verhaltensdaten und bilden somit die Grundlage für individualisierte Empfehlungen und Interventionen. Studien wie Food4Me zeigen, dass personalisierte digitale Interventionen deutlich wirksamer für eine verbesserte Ernährungsqualität sind als generische Empfehlungen. Auch biomedizinische Erkenntnisse wie Mikrobiommodulation, genetisch differenzierte Empfehlungen zur Fettsäurezufuhr oder die epigenetisch informierte Modulation von Mikronährstoffen eröffnen neue evidenzbasierte Präventionsmöglichkeiten. Ergänzend kommen verhaltensorientierte Ansätze hinzu, denn Menschen unterscheiden sich in Motivation, Ernährungswissen, Aktivitätslevel und Gesundheitsbewusstsein. Durch individualisierte Kommunikationsstrategien und emotional aktivierende Maßnahmen wie Gamification oder Nudging können Menschen mit unterschiedlichen Lebensstilen und Ernährungsweisen individuell angesprochen und motiviert werden.

Ernährungsempfehlungen zur Leistungssteigerung

Im Bereich der Leistungsoptimierung gewinnt die Personalisierte Ernährung ebenfalls an Relevanz. Sport besitzt in Deutschland nicht nur hohen gesellschaftlichen Stellenwert, sondern leistet zugleich einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheitsförderung und Prävention. Eine gezielte Makro- und Mikronährstoffversorgung, abgestimmt auf individuelle Faktoren wie Trainingsintensität und Energieverbrauch, kann neben einer präventiven Wirkung auch die Leistungsfähigkeit verbessern. Wichtig ist auch die Flüssigkeitszufuhr, die – zugeschnitten auf Aspekte wie Geschlecht, Natriumverlust oder individueller Schweißrate – dabei hilft, Leistungsabfälle zu vermeiden und Regeneration zu beschleunigen. Auch der gezielte Einsatz von Substanzen wie Koffein oder Rote Bete, die individuell nach Faktoren wie Körpergewicht und Trainingsstatus zugeführt werden, kann sich positiv auf  Ausdauer und Muskelkraft und somit auf sportliche Leistungen auswirken. Personalisierte Ernährung dient somit nicht ausschließlich der Prävention von Krankheiten, sondern auch der Optimierung von physischer Leistung.

Auf dem Weg zur digital unterstützten und gesundheitsorientierten Ernährung

Um auf veränderte Ernährungsgewohnheiten und gesellschaftliche Entwicklungen optimal einzugehen, sollten Ernährungsempfehlungen künftig wesentlich stärker gesundheitsorientiert ergänzend zur Agrarpolitik gedacht werden. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Medizin, Ernährungswissenschaft, Technologie und Politik ist erforderlich, um Personalisierte Ernährung praxistauglich zu verankern. Dabei sind digitale Technologien von zentraler Bedeutung: Sie ermöglichen die kontinuierliche Erfassung und Auswertung individueller Daten, schaffen Motivation durch Echtzeit-Feedback und unterstützen nachhaltige Verhaltensänderungen. Forschung und Lehre – etwa durch neue Studiengänge und Forschungsprojekte zur Personalisierten Ernährung – treiben die Umsetzung voran. Perspektivisch wird die Personalisierte Ernährung geschlechtersensibler, digital gestützter und stärker in Prävention, Therapie und Leistungsoptimierung integriert sein und so einen maßgeblichen Beitrag zur Gesundheitsförderung leisten.

Fazit

Kurz gesagt: Personalisierte Ernährung verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse und digitale Technologien, um durch individuell angepasste Empfehlungen die Gesundheit gezielter zu fördern.

Den vollständigen Beitrag aus der Reihe "Nachrichten aus der Wissenschaft" finden Sie hier.

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