Jungendliche Schülerinnen und Schüler sitzen als Gruppe vor einem Laptop, blicken auf den Bildschirm und disktutieren mit ihrer Lehrerin über Fragen der Medienkompetenz

Die Schweiz setzt bei Kindern und Jugendlichen auf die Vermittlung und Förderung von Medienkompetenz

Die Schweiz hat schon vor Jahren die Entscheidung getroffen, Medienkompetenz frühestmöglich in die kindliche Förderung und „Ausbildung“ als Lernfach zu integrieren. Das fängt in unserem Nachbarland bereits im Kindergarten bzw. in der Vorschule an und wird durch alle Schulformen verpflichtend bis zum Ende der obligatorischen Schuljahre durchgezogen. Wir haben mit Dr. Eveline Hipeli, Dozentin und Co-Präsidentin der Hochschulversammlung an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) gesprochen und sie für unsere Video-Reihe „Kurz & Klar“ befragt.

Was heißt Medienkompetenz – ab welchem Alter kann sie vermittelt werden?

In den ersten beiden Videos klärt Dr. Eveline Hipeli zunächst auf, was unter dem Begriff Medienkompetenz zu verstehen ist und welche Nutzungsbereiche damit verbunden werden. Außerdem legt sie dar, ab welchem Alter die Förderung von Medienkompetenz möglich und sinnvoll ist – und welche zunächst eher spielerischen Herangehensweisen zielführend sind. Sie warnt davor, das Thema Medienkompetenz zu verschleppen. Denn Kinder kommen heute schon sehr früh mit allerlei Medien in Kontakt – und ganz selbstverständlich mit vielen inhaltlichen Angeboten, einschließlich Werbung. Früh und kontinuierlich in Medienkompetenz zu investieren, trägt zur Förderung kompetenter und informierter junger Bürgerinnen und Bürger bei. Wer gelernt habe, kritisch zu hinterfragen und sein Verhalten selbstkritisch zu reflektieren, wer mit dem richtigen Rüstzeug ausgestattet wurde, lernt schon von früh auf, Medien reflektiert zu bewerten und fällt als Heranwachsender und später Erwachsener womöglich weniger leicht auf z. B. Fake-Inhalte herein. 

Die Vermittlung von Medienkompetenz lohnt sich

Bereits im Jahr 2021 hatte Dr. Eveline Hipeli einen Beitrag für die Nachrichten aus der Wissenschaft verfasst mit dem Titel: „«#likeme! #likethis!» Kompetenzen statt Verbote – der Umgang Heranwachsender mit Werbung in einer digitalisierten Umwelt“. Damals lag der Schwerpunkt auf Medienkompetenz in Verbindung mit Werbeformen, die Kinder und Jugendliche erreichen. Die Autorin stellte schon damals klar: „Verbote sind zwar rasch umgesetzt, befähigen die Empfänger langfristig aber nicht dazu, ressourcen- und handlungskompetent zu entscheiden. Der Weg über pädagogische Begleitmaßnahmen ist zeitintensiver und aufwändiger. Aber die Vermittlung von Medien- und Werbekompetenz lohnt sich.“ Mehr dazu finden interessierte Leserinnen und Leser hier und hier

Was ist besser: Verbote oder Handlungskompetenz?

Sind Social-Media-Verbote für Kinder bzw. Jugendliche der richtige Weg, um Minderjährige etwa vor „Fake News“, Manipulation oder Mobbing zu schützen? Australien macht es vor, andere Länder folgen oder diskutieren über solch drastische Maßnahmen. Aber ist das wirklich sinnvoll in einer demokratisch verorteten Gesellschaft, die immer noch auf u. a. kritisches Denken, Reflexion, Handlungsbefähigung und Entscheidungshoheit im Sinne mündiger Bürgerinnen und Bürger setzt? Auch in Deutschland werden immer stärker Rufe nach Social Media-Verboten nach australischem Vorbild laut. Sollte Deutschland diesen rigiden Pfad beschreiten oder eher den Weg der Förderung von Kompetenzen wählen als wichtige Ressourcen für Jugendliche auf ihrem Weg zu demokratisch gefestigten Bürgerinnen und Bürgern? 

Die Schweiz hat sich für den aufwendigeren Weg entschieden. Ist ein solcher Weg auch in Deutschland mit seinem föderalen, komplexen und auch fragmentierten Bildungssystem vorstellbar? Der Diskurs darüber ist aus unserer Sicht lohnenswert und die Erfahrungen aus der Schweiz hilfreich.

Weitere Videos mit Dr. Eveline Hipeli z. B. zur Frage, wie man Desinformation erkennen lernt oder welche Rolle KI heute spielt und ob Social Media-Verbote positiv verfangen können, folgen in den nächsten Wochen. 

Hinweis: Fotos mit der Kennung “ChatGPT” im Credit wurden mit KI generiert. 

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