Palmöl in der Diskussion: ein Blick auf gesundheitliche Fragen

Palmöl in der Diskussion

Über Palmöl wird seit Jahren vieles gesagt und geschrieben. Bei teils durchaus berechtigter Kritik hinsichtlich sozialer und ökologischer Herausforderungen beim Anbau von Ölpalmen verbreiten sich über gesundheitliche Fragen zum Palmölkonsum aber viele Falschmeldungen und Behauptungen. Nährboden dafür sind einerseits widersprüchliche Aussagen der Wissenschaft und andererseits emotional geprägte Empfehlungen, die die Basis an Fakten außer Acht lassen.

Eine wesentliche Ursache für die Konfusion ist, dass eine im 19. Jahrhundert erstmals aus Palmöl erfolgreich isolierte Fettsäure nach dem Ort ihrer Entdeckung benannt wurde: Palmitinsäure. Allzu oft werden seither Palmitinsäure und Palmöl gleichgesetzt. Dabei zählt die Palmitinsäure zu den am häufigsten vorkommenden Fettsäuren und jeder Organismus ist auf sie angewiesen. Man findet sie in allen tierischen und pflanzlichen Nahrungsfetten: neben Palmöl (ca. 40 Prozent) enthalten Rinder-, Schweine- und Butterfett sowie Kakaobutter jeweils bis zu 30 Prozent Palmitinsäure und auch Avocadoöl ist reich an dieser Fettsäure. Sie ist zudem Hauptbestandteil der Phospholipide, aus denen alle Zellmembranen gebaut sind. Gleichsam spielt sie eine zentrale Rolle im Stoffwechsel vieler Lebewesen – auch des Menschen. Bei einem Überschuss an Nahrungsenergie (aus Fett und Kohlenhydraten) ist Palmitinsäure die erste Fettsäure, die unser Körper bildet, und sie ist dann Ausgangsstoff für alle anderen Fettsäuren, die für den Aufbau von Fettreserven hergestellt werden. Palmitinsäure macht 20 bis 30 Prozent aller im menschlichen Fettgewebe gespeicherten Fettsäuren aus. Wichtig hervorzuheben ist zudem, dass Palmitinsäure von Natur aus die vorherrschende gesättigte Fettsäure in der Muttermilch des Menschen ist.

Ist Palmöl ungesund wegen seines hohen Anteils an gesättigten Fettsäuren?

Palmöl besteht nur zu ca. 45 Prozent aus gesättigten Fettsäuren (ca. 40 Prozent Palmitinsäure und 5 Prozent Stearinsäure). Der etwas größere Anteil entfällt auf einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (ca. 40 Prozent einfach ungesättigte Fettsäuren wie z. B. Ölsäure und ca. 10 Prozent mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie z. B. Linolsäure). Somit liegt der Anteil an gesättigten Fettsäuren bei Palmöl niedriger als bei Butter und Kokosfett. Lebensmittelunternehmen verwenden häufig Palmölfraktionen, wie z. B. die Ölsäure, d. h. der Anteil an gesättigten Fettsäuren verringert sich zugunsten der sogenannten einfach ungesättigten Fettsäuren. Die Ölsäure ist z. B. Hauptbestandteil von Olivenöl, das übrigens auch Palmitin- (bis zu 20 Prozent) und Stearinsäure
(ca. 5 Prozent) enthält.

Grundsätzlich kommt es auf das Fettsäuremuster der Ernährung insgesamt an und hier ist es wichtig, dass nicht zu viele gesättigte Fettsäuren, sondern insbesondere einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren verzehrt werden. In die ernährungsphysiologische Bewertung von Palmöl müssen zudem alle enthaltenen Fettsäuren einfließen und ferner ist es wichtig, die konsumierten Mengen zu berücksichtigen, die in Deutschland vergleichsweise gering sind. Weite Teile der Erdbevölkerung verwenden schon seit sehr langer Zeit Palmöl: Die Ölpalmenfrüchte sind seit mehr als 10.000 Jahren Teil der menschlichen Ernährung. In vielen Regionen Asiens und Afrikas ist Palmfett die unbestrittene Nummer eins zum Kochen, Braten, Frittieren. Und, das betonen auch Verantwortliche etwa in Malaysia immer wieder, es gibt bis heute keine Belege dafür, dass ein täglicher Palmölkonsum negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat.

Vor kurzem ist eine spanisch-amerikanische Studie erschienen, wonach Palmöl bzw. die darin enthaltene Palmitinsäure die Metastasierung von bestimmten Tumoren fördern solle…

Die Studie, durchgeführt von Salvador Aznar Benitah et. al. (Institute for Research in Biomedicine [IRB Barcelona] und weiteren Instituten), muss man als Teil der Grundlagenforschung einordnen, denn man hatte beobachtet, dass bei Übergewicht bestimmte Typen von Tumoren sehr aggressiv sein können und eine erhöhte Aufnahme von Fettsäuren und ein entsprechend erhöhter Stoffwechsel das Tumorwachstum fördern. Welche Fettsäuren das sind und welcher Mechanismus dahintersteckt, war aber bisher unbekannt. Um das herauszufinden, wurden Tumorzellen mit hohen Konzentrationen verschiedener Fettsäuren stimuliert und mit Palmöl gefütterten Mäusen implantiert. Diese erhielten Palmöl, weil es ein palmitinsäurereiches Fett ist. Die mit Palmitinsäure stimulierten Tumorzellen zeigten eine stärkere Metastasierung – wohlgemerkt bei sehr hoher Konzentration und in Mäusen, nicht beim Menschen. Da Palmitinsäure vom Körper selbst gebildet wird und im Stoffwechsel eine zentrale Rolle spielt, ist es verwunderlich, dass die Autoren so sicher zu sein scheinen, dass nur die über die Nahrung zugeführte Palmitinsäure dafür verantwortlich ist. Es ist zudem mehr als fahrlässig, dass die Forscher in der Pressemitteilung zu ihrer Studie eine palmölreiche Ernährung adressieren: Einerseits lassen sie offen, was damit gemeint ist, und andererseits führen sie aus, dass Palmitinsäure in Palmöl eben vorherrschend sei „(predominant in palm oil)“, was nachweislich falsch ist. Palmöl diente in diesen Versuchen lediglich als Palmitinsäurequelle, stellt aber für Menschen in Europa bei Weitem keinen bedeutenden Lieferanten für Palmitinsäure dar.  

Erhöht Palmöl das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Dazu kann die Wissenschaft keine Antwort geben, weil die Ergebnisse von Studien widersprüchlich sind. Bei der Komplexität des Themas Ernährung und vor dem Hintergrund der multifaktoriell bedingten Entstehung von koronaren Herz-Kreislauf-Krankheiten kann die Fokussierung auf ein einzelnes Produkt oder ein einzelnes Fett ohnehin nicht zielführend sein. Entscheidend für die Gesundheit ist das Fettsäuremuster der Ernährung insgesamt, nicht jedoch das Fettsäuremuster eines einzelnen Fettes.

Der Einfluss von gesättigten Fettsäuren auf das Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße ist in Kohorten- und Interventionsstudien nicht einheitlich signifikant. In einigen aktuellen Metastudien zeigte sich keine hinreichende Evidenz für ein erhöhtes Risiko für Koronare Herzkrankheiten (KHK) durch gesättigte Fettsäuren.

Die Fettstoffwechselforschung kommt überdies mittlerweile zu der Erkenntnis, dass die bisher rein aus der Sicht der Chemiker gewählte Unterteilung in gesättigte, einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren ohnehin nicht mehr trägt. Langsam beginnen die Experten zu verstehen, dass die unglaublich große Vielzahl an Fettsäuren nicht einfach nur in drei Gruppen unterteilt werden darf, denn die Forschung zeigt, dass die einzelnen Fettsäuren durchaus verschiedene Funktionen im Organismus erfüllen. Wichtig ist stets auch die Beurteilung des Verhältnisses von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren. Als Ideal gilt derzeit ein Verhältnis von 5 zu 1. Die noch vor Jahren als gesundheitlich besonders förderlich gehandelten Pflanzenöle mit reichlich mehrfach ungesättigter Linolsäure gelten heute nicht mehr als favorisierte Öle, da sie zu einem Großteil aus Omega-6-Fettsäuren bestehen und nahezu keine Omega-3-Fettsäuren enthalten. Eine zu hohe Zufuhr an Omega-6 birgt die Gefahr, Entzündungsgeschehen im Körper zu fördern. 

Entscheidend ist und bleibt die richtige Kombination verschiedener Lebensmittel im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung. Anstatt Lebensmittel in „gut“ und „schlecht“ einzuteilen, ist es sinnvoller, das Augenmerk auf einen insgesamt gesundheitsförderlichen Lebensstil zu legen, der neben einer vielfältigen und pflanzenbetonten Ernährung ein adäquates Maß an täglicher Bewegung und aktiver Entspannung einschließt.

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