Dominante Sitzwelt: Bei den 15-Jährigen erreichen nur noch 7,3 Prozent der Mädchen und 12,9 Prozent der Jungen die WHO-Bewegungsempfehlungen.

Illustration von einem Jugendlichen der vorm PC sitzt

Noch nie bewegten sich Kinder und Jugendliche hierzulande weniger als heute

Die HBSC-Studie untersucht seit über 25 Jahren unter anderem das Bewegungsverhalten von Heranwachsenden in Deutschland.

Die Health Behaviour in School-aged Children (HBSC)-Studie bildet zusammen mit der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) des Robert Koch-Instituts die umfassendste, nationale Datengrundlage für die Gesundheitsberichterstattung. Seit 1982 wird die unter der Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stehende HBSC-Studie im 4-Jahres-Turnus durchgeführt, und sie erfasst mittlerweile Gesundheitsparameter von 11- bis 15-Jährigen in 50 Ländern. Damit ist sie eine der weltweit größten Studien dieser Art, ermöglicht sie doch neben nationalen Auswertungen auch internationale Vergleiche – und dies über lange Jahre hinweg.

Das Bewegungsverhalten von Heranwachsenden hierzulande wird seit 2001/02 dokumentiert. Der letzte Turnus fand 2017/2018 statt. Sie untersucht neben dem Bewegungsverhalten das Ernährungsverhalten, die subjektive Gesundheit und das Wohlbefinden, die Geschlechterrollenorientierung und die Körperzufriedenheit, Mobbing und Cyber-Mobbing sowie den Konsum von Substanzen wie Alkohol, Tabak und Cannabis.

Die aktuellen Ergebnisse zum Bewegungsverhalten für Deutschland

Für diesen letzten Survey 2017/2018, dessen Ergebnisse Mitte September 2020 publiziert wurden, konnten Daten von 4.347 Mädchen und Jungen im Alter von 11, 13 und 15 Jahren an 146 Schulen in Deutschland ausgewertet werden [1]. Die Ergebnisse sind erschreckend, denn nur 10,1 Prozent der Mädchen und 16,9 Prozent der Jungen erreichen die Bewegungsempfehlungen der WHO. „Dies stellt im zeitlichen Vergleich den niedrigsten Wert im Vergleich der HBSC-Wellen dar,“ so die Autoren. Schaut man sich die Ergebnisse für die einzelnen Altersgruppen an, so nimmt die körperliche Aktivität ab je älter die Kindern und Jugendlichen sind: Bei den 15-Jährigen erreichen nur noch 7,3 Prozent der Mädchen und 12,9 Prozent der Jungen die WHO-Bewegungsempfehlungen.

Ein Fünftel der Jungen und ein Drittel der Mädchen war an weniger als drei Tagen pro Woche für 60 Minuten körperlich aktiv, sodass sie in die Kategorie mit geringer körperlicher Aktivität fallen.

Laut WHO sind Kinder und Jugendliche ausreichend aktiv und erzielen einen substanziellen Gesundheitsgewinn, wenn sie sich pro Tag 60 Minuten mäßig bis intensiv körperlich bewegen. Die neuen nationalen Bewegungsempfehlungen (siehe auch: „Bewegungsfreudige Kinder braucht das Land“) gehen sogar noch darüber hinaus und empfehlen 90 Minuten moderat-intensive körperliche Aktivität pro Tag. Würden diese in der HBSC-Studie zum Maßstab genommen, wären die Zahlen der Mädchen und Jungen, die sie erreichen, nochmals um Einiges niedriger.

Deutschlands Heranwachsende im internationalen Vergleich

Eine aktuell veröffentlichte Analyse der Ergebnisse von 298 Studien mit insgesamt 1,6 Millionen TeilnehmerInnen aus 146 Ländern kam zu ähnlichen Ergebnissen, wobei die Altersgruppe mit bis zu 17-Jährigen etwas weiter gefasst war als die in der HBSC-Studie. Nach dieser vergleichenden internationalen Studie erreichen 15,3 Prozent der 11- bis 17-jährigen Mädchen und 22,4 Prozent der gleichaltrigen Jungen weltweit die WHO-Bewegungsempfehlungen. Die Zahlen für Deutschland liegen in diesem Vergleich mit 12,1 Prozent für Mädchen und mit 20,3 Prozent für Jungen unterhalb des weltweiten Mittels [6].

Fazit

Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass Aufklärung über die Bedeutung von körperlicher Bewegung wichtig ist und konkrete Ansätze/Projekte zur Förderung der täglichen körperlichen Aktivität ein hohes gesundheitsförderliches Potential haben.

Literaturverzeichnis:

[1]   Bucksch J., Häußler A., Schneider K., Finne E., Schmidt K., Dadacynski K., Sudeck G. (2020): Bewegungs- und Ernährungsverhalten von älteren Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse der HBSC-Studie 2017/18 und Trends. In: Robert Koch-Institut (Hrsg.): Die Kinder- und Jugendgesundheitsstudie „Health Behaviour in School-aged Children“ (HBSC) der Weltgesundheitsorganisation – Nationale Survey-Ergebnisse 2017/18“. Journal of Health Monitoring 5 (3): 22–38. DOI 10.25646/6892. URL: https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsJ/JoHM_03_2020_HBSC.pdf?__blob=publicationFile (Letzter Zugriff am 08.10.2020)

[2]   Currie C., Roberts C., Morgan A., Smith R., Settertobulte W., Samdal O., Barnekow V. (eds.) (2004): Young people’s health in context. Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) study: international report from the 2001/2002 survey (Health Policy for Children and Adolescents, No. 4, WHO Regional Office for Europe, Copenhagen. URL http://www.hbsc.org/publications/international/ (Letzter Zugriff am 08.10.2020)

[3]   Currie C., Nic Gabhainn S., Godeau E., Roberts C., Smith R., Currie D., Pickett W., Richter M., Morgan A., Barnekow V. (eds.) (2008). Inequalities in young people's health: HBSC international report from the 2005/06 Survey. (Health Policy for Children and Adolescents, No. 5), WHO Regional Office for Europe, Copenhagen, Denmark. URL http://www.hbsc.org/publications/international/ (Letzter Zugriff am 08.10.2020)

[4]   Currie C., Zanotti C., Morgan A., Currie D., de Looze M., Roberts C., Samdal O., Schmith O.R.F., Barnekow V. (eds.) (2012): Social determinants of health and well-being among young people. Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) study: international report from the 2009/2010 survey. (Health Policy for Children and Adolescents, No. 6), WHO Regional Office for Europe, Copenhagen. URL http://www.hbsc.org/publications/international/ (Letzter Zugriff am 08.10.2020)

[5]   Inchley J., Currie D, Young T., Samdal O., Torsheim T., Augustson L., Mathison F., Aleman-Diaz A., Molcho M., Weber M., Barnekow V. (eds.) (2016): Growing up unequal: gender and socioeconomic differences in young people's health and well-being. Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) study: international report from the 2013/2014 survey. (Health Policy for Children and Adolescents, No. 7), WHO Regional Office for Europe, Copenhagen. URL http://www.hbsc.org/publications/international/ (Letzter Zugriff am 08.10.2020)

[6]   Guthold R., Stevens G. A., Riley L.M. Bull F.C. (2020): Global trends in insufficient physical activity among adolescents: a pooled analysis of 298 population-based surveys with 1·6 million participants. Lancet Chil Adolesc Health 4: 23–25

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