Empirische Studien und Best-Practice-Erfahrungen zeigen, dass Medien einen aktiven, kreativen Zugang zur Lebenswelt von Heranwachsenden schaffen und Kompetenzen befördern, die einen positiven Einfluss auf Gesundheit, Ernährung und Bewegung haben.

Gesund Aufwachsen in einer digitalen Welt

Kinder wachsen heute nicht nur in Haushalten auf, die ein breites Medienrepertoire bereithalten. Sie sind auch selbst schon früh im Besitz eigener Geräte. Bei der Nutzung dieser Medien steht neben dem Schauen von Filmen und Serien vor allem das Spielen an PC/Laptop, Konsole oder Handy im Mittelpunkt. Außerdem recherchieren die Kinder oder surfen einfach so im Internet. Mit zunehmendem Alter gewinnen mobile internetbasierte Geräte, Anwendungen und Social-Media-Dienste an Bedeutung

Jede Lebensphase wird von bestimmten Herausforderungen gerahmt, die über eine Gesellschaft und Kultur, aber auch über die Person selbst und ihre physische und psychische Konstitution bedingt werden. Typische Aufgaben in Kindheit und Jugend beziehen sich auf die Entwicklung eines positiven Selbstbildes und einer Geschlechtsidentität, das Aufbauen von Beziehungen zu Gleichaltrigen und das Pflegen von Freundschaften. Aber auch das Herausbilden von Normen und Werten sowie das Erlernen motorischer Geschicklichkeit gehören dazu. Medien liefern dafür Orientierungshilfen, sind Gesprächsanlass, Erprobungsraum und Freizeitbeschäftigung. Wie will ich als Junge oder Mädchen sein? Wie funktionieren Beziehungen und was muss ich tun, um dazu zu gehören? An wem orientiere ich mich, und wer ist mein Idol? Zu all diesen Fragen finden Heranwachsende in Serien- und Magazinformaten des Fernsehens, aber auch im Internet, in Spiele-Apps oder in Social-Media-Angeboten eine breite Vielfalt an Antworten.

Medienfreie Auszeiten schwinden

Über diese Nutzungsweisen verändern und verschieben sich Räume, Grenzen und Kontexte, aber auch Vorbilder, Kompetenzen und Regeln der Mediennutzung. Kinder und Jugendliche bewegen sich zunehmend in individualisierten Kommunikationsräumen, in denen sie mit ihren Stars (z. B. Influencern) in Dauerkontakt stehen und für ihre Peers jederzeit erreichbar sind. Gleichzeitig schwinden medienfreie Auszeiten und die Relation zwischen medialen Vorbildern und dem „echten” Leben verschwimmen. Vor diesem Hintergrund ergeben sich auch neue Anforderungen an die Medienerziehung in Kita und Schule. Denn viele Eltern, Lehrende oder Erziehende sind als so genannte „digital immigrants“ nicht mit den Selbstverständlichkeiten der heutigen digitalen Welt aufgewachsen oder haben eine Ausbildung dazu in Anspruch genommen.

Welche Rolle die Medien in Kindheit und Jugend spielen, wenn es um ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung geht, wird intensiv beforscht und diskutiert. Dabei stimmen Expertinnen und Experten weitgehend überein, dass ein übermäßiger Medienkonsum oft zulasten eines gesunden Lebensstils geht. So hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2018 exzessives Computer- und Videospielen als offizielle Erkrankung „Gaming-Disorder” anerkannt, die an bestimmten Charakteristika abgelesen werden kann.

Mit digitalen Medien positive Anreize schaffen

Empirische Studien und Best-Practice-Erfahrungen zeigen jedoch auch, dass Medien einen aktiven, kreativen Zugang zur Lebenswelt der Heranwachsenden schaffen und Kompetenzen befördern, die einen positiven Einfluss auf Gesundheit, Ernährung und Bewegung haben. Hier sind etwa Lernspiele zu nennen. Das Feld Entertainment Education setzt auf gesundheitsbezogene Botschaften, die in typische Unterhaltungsformate für Kinder integriert sind und über ihre Orientierungsfunktion auch positive Handlungsanreize für gesunde Ernährung und Bewegung liefern können.  Nicht zuletzt unterstützen Projekte aus dem Feld der handlungsorientierten Medienpädagogik einen aktiven, kreativen Zugang zur Medienwelt der Heranwachsenden. Indem z. B. Jump’n-Run-Spiele mit tatsächlichen Sportgeräten als Parcours nachgebaut werden, setzen sich Kinder auf spielerisch-kreative Weise mit dem Thema Gesundheit und Bewegung auseinander.

Verstehen ist besser als verbieten

Das A und O ist ein Bildungsangebot zum Erwerb von Kompetenzen, und dieser Ansatz sollte konsequent verfolgt werden – getreu dem Motto der Initiative „SCHAU HIN! Was dein Kind mit Medien macht.“: Verstehen ist besser als Verbieten. Sichtbar ist aber auch, dass der Transfer zwischen Theorie und Praxis in den verschiedenen Settings noch nicht hinreichend verankert ist. Zudem erschwert es die Komplexität und Schnelllebigkeit des Themas „Digital gesund aufwachsen“, einfache und widerspruchsfreie Handlungs-empfehlungen zu formulieren. Gerade deshalb ist es zwingend notwendig, auf interdisziplinärer Ebene zu agieren und alle beteiligten Akteure sowie darauf bezogene Steuerungsmechanismen zu aktivieren, um Kindern und Jugendlichen ein gutes Aufwachsen in einer mediatisierten Gesellschaft zu ermöglichen.

Dr. Iren Schulz, selbstständige Medienpädagogin und Kommunikationswissenschaftlerin aus Erfurt, und Mirko Eichner von der Plattform Ernährung und Bewegung (peb) in Berlin sind in den „Nachrichten aus der Wissenschaft“, Ausgabe 03/2020, möglichen Mitteln und Wegen für ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in einer digitalen Welt nachgegangen. Den vollständigen Beitrag finden Sie hier.

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