Wissenschaftler werten Fragebögen aus

Freispruch für freie Zuckerarten

Eine hohe Aufnahme von freien Zuckerarten steht nicht im Zusammenhang mit der Entstehung von Adipositas bei Jugendlichen in Europa.

Krankhaftes Übergewicht bzw. Fettleibigkeit (Adipositas) im Kinder- und Jugendalter tritt weltweit auf und geht mit der Entstehung verschiedener Erkrankungen einher. Übergewicht bzw. Adipositas entsteht durch eine unausgewogene Kalorienbilanz, bedingt durch eine zu hohe Energieaufnahme bzw. einen zu geringen Energieverbrauch durch körperliche Aktivität. Auch der Verzehr sogenannter „freier Zuckerarten“ wird oft mit der Entstehung von Adipositas in Verbindung gebracht.

Europäische HELENA-Studie gibt Entwarnung

Ein internationales, multizentrisch und interdisziplinär aufgestelltes Forscherteam hat nun in einer Studie der Zusammenhang des Verzehrs von freien Zuckerarten aus verschiedenen Lebensmitteln mit der Entstehung von Adipositas bei europäischen Jugendlichen untersucht. Als freie Zuckerarten definiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) alle Mono- und Disaccharide, die Lebensmitteln zugesetzt werden, sowie die Zuckerarten, die natürlicherweise in Honig, Sirupen und Fruchtsäften enthalten sind. Im Ergebnis zeigt die Studie, dass die Aufnahme von freien Zuckerarten nicht in Verbindung mit dem Körpergewicht sowie der Entstehung von Adipositas steht, auch wenn die Aufnahme oberhalb der Empfehlungen der WHO liegt. Entscheidend für das Körpergewicht ist die Kalorienbilanz. Auf die Bedeutung der Kalorienbilanz für das Körpergewicht weisen auch andere Studien immer wieder hin.

Studienteilnehmer kamen aus Nord- und Südeuropa

Insgesamt wurden 843 Jugendliche aus ganz Europa im Alter zwischen 12 und 17 Jahren (davon 51,6 Prozent männlich), die an der sogenannten HELENA-Studie (The Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in Adolescence Cross-Sectional Study) teilgenommen hatten, für die Auswertung herangezogen. Bei der HELENA-Studie handelt es sich um eine Querschnittstudie, bei der die Verzehrgewohnheiten der Jugendlichen mittels zwei 24-Stunden-Erinnerungsprotokollen, aber auch anthropometrische Messgrößen wie Körpergewicht und Körpergröße (zur Berechnung des Body-Mass-Index -- BMI) erhoben wurden. Die Jugendlichen kamen aus Griechenland, Deutschland, Belgien, Frankreich, Österreich, Schweden, Spanien und Italien.

Sowohl für männliche als auch für weibliche Jugendliche gab es keinen Zusammenhang zwischen der gesamten Aufnahme von freien Zuckerarten sowie der Aufnahme von freien Zuckerarten aus bestimmten Lebensmitteln mit dem BMI. Dabei war die Gesamtaufnahme von freien Zuckerarten bei den männlichen Jugendlichen höher als bei den weiblichen Jugendlichen (102,60 g und 87,58 g, p < 0.001). Der Einfluss von anderen Faktoren, die diesen Zusammenhang beeinflussen könnten, wie die Energieaufnahme per se oder körperliche Aktivität, wurden zuvor herausgerechnet, um die Ergebnisse der Studie möglichst nur auf die Aufnahme von freien Zuckerarten beziehen zu können.

Fazit

Es konnte kein Zusammenhang zwischen der Aufnahme von freien Zuckerarten insgesamt sowie der Aufnahme von freien Zuckerarten aus bestimmten Lebensmitteln und dem Körpergewicht sowie der Entstehung von Adipositas bei europäischen Jugendlichen ermittelt werden, obwohl diese bei beiden Geschlechtern insgesamt über den Empfehlungen der WHO (< bzw. = 10 En%) lag.

 

Die vollständige Publikation kann hier heruntergeladen werden.

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