Ein Sensorik-Panel mit Verbraucherinnen und Verbrauchern testet unterschiedliche Schokoladen (runde und eckige).

Wie die Form von Schokolade die Wahrnehmung der Süße und Cremigkeit beeinflusst

Die meisten Schokoladentafeln sind eckig, Schokoladeneiskugeln immer rund und viele Hohlkörper wie Ostereier haben ebenso keine Kanten. Pralinen sind mal rund, mal eckig. Aber wie beeinflusst die Form eines Schokoladenprodukts, wie wir es im Geschmack und in der Cremigkeit wahrnehmen?

Von Dr. Eva Derndorfer

„Crossmodale Interaktion“ ist die Wechselwirkung verschiedener Sinnesmodalitäten, beispielsweise wenn sich Aussehen und Geschmack oder Mundgefühl eines Produktes gegenseitig beeinflussen. Sie ist beim Essen und Genießen an der Tagesordnung. Wie aber wirkt sich die Form der Schokolade auf Geschmack und Mundgefühl aus?

Um das herauszufinden, führte die Universidade Estadual de Campinas in Brasilien im Jahr 2021 eine Studie mit insgesamt 230 Verbraucherinnen und Verbrauchern durch. Die Häfte der Teilnehmenden erhielt runde, die andere Hälfte quadratische Schokoladen, jeweils mit 30, 40, 50, 60 und 70 Prozent Kakaogehalt. Alle mussten vor der Verkostung ihre Erwartung hinsichtlich Süße, Säure, Cremigkeit und Akzeptanz jeweils an einer neunstufigen Skala bewerten. Dann kosteten sie die fünf Schokoladen und bewerteten nun die tatsächlich empfundene Süße, Säure, Cremigkeit und Akzeptanz.

Rund ist cremiger

Dabei stellte sich heraus, dass runde Schokoladen vor der Verkostung als cremiger erwartet wurden. Aber auch nach der Degustation wurden die runden Schokoladen signifikant cremiger bewertet als die eckigen. Süße, Säure und Akzeptanz blieben von der Form hingegen unbeeinflusst. Wird die erwartete Cremigkeit nicht durch Verkostung bestätigt, sinkt jedoch die Akzeptanz für das Produkt.

Rund ist süßer

In einer japanischen Studie vom u. a. Kyoto Institute of Technologie und der Universität Kyoto in Japan ging man 2023 noch einen Schritt weiter und inkludierte den Faktor Symmetrie. Runde und spitze Formen, jeweils symmetrisch und asymmetrisch, wurden aus Biokuvertüre mit 74 Prozent Kakaogehalt mit einem 3D-Lebensmitteldrucker gedruckt. 24 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer bekamen jede der vier Schokoladen. Die Größe war darauf ausgelegt, dass das ganze Stück in den Mund genommen werden konnte.

Für die Verkostung nahmen sie jeweils eine der Schokoladen mit dem weißen Plastiklöffel in den Mund, ließen die Schokolade schmelzen, ohne zu kauen. Sie duften die Schokolade aber im Mund bewegen. Die Probandinnen und Probanden warteten nach dem Schlucken 30 Sekunden lang, um auch den Nachgeschmack zu empfinden. Sie bewerteten dann, wie süß, sauer und bitter sie die jeweilige Schokolade fanden. 

Die runden Formen wurden süßer empfunden als spitze Formen. In Säure und Bitterkeit gab es auch in dieser Studie keinen Unterschied. Dabei muss bedacht werden, dass es für Verbraucherinnen und Verbraucher mitunter ungewöhnlich ist, sauren Geschmack von Schokolade zu bewerten. Auch könnte der Einfluss der runden Form auf den süßen Geschmack sowohl an der Optik als auch am Mundgefühl liegen.

Fazit

Rund wird offenbar als süßer und cremiger empfunden. Wer zuhause schokoladige Desserts zubereitet, kann sich diesen Effekt zunutze machen und ggf. eher auf runde Formen setzen.

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