Wohin entwickeln sich Verpackungen? Potenzial und Grenzen von Reduktion und Kreislaufführung

Wohin entwickeln sich Verpackungen?

Eine verpackungsfreie Welt ist eine Illusion. Denn Verpackungen sind nützlich. Sie schützen das Füllgut vor äußeren Einflüssen und helfen, Produkte effizient zu transportieren und zu lagern. Verpackungen verhindern Beschädigung und Verderb und leisten einen Beitrag zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung. In diesem Sinne gibt es auch neue Anforderungen des Gesetzgebers zu berücksichtigen. Klar ist auch: Es gibt keinen Zweifel, dass wir weniger Verpackungsmüll produzieren sollten, Abfälle besser trennen und recyceln müssen oder alternativ erneut nutzen können sollten.

von Dr. Carl Dominik Klepper, Arbeitsgemeinschaft Verpackung + Umwelt e. V., Berlin

Lebensmittel in Papier wickeln: häufig kein ausreichender Produktschutz

Im Zentrum der Diskussion um Abfälle steht das Material Kunststoff. Ein Material, das zwar äußerst vielseitig ist, aber unbehandelt schwere Umweltschäden verursachen kann. Es ist grundsätzlich gut recycelbar, dafür müssen aber oftmals Voraussetzungen wie ein sinnvolles „Design for Recycling“ erfüllt sein. Gerade im Lebensmittelbereich reichen die Schutzeigenschaften von Papier häufig nicht aus, daher werden die Papierhüllen oft mit Kunststoff beschichtet. Der entstehende Materialmix überfordert moderne Recyclinganlagen, so dass eine ausschließlich thermische Verwertung, das heißt Verbrennung, der wertvollen Rohstoffe Kunststoff und Papier die Folge ist.

Verkaufsverbote: neue Regulierungsmaßnahmen des europäischen Gesetzgebers

Auch die Politik nimmt Plastik besonders ins Visier. Mit der Einwegkunststoffrichtlinie von 2019 hat die EU-Kommission etwa Entschlossenheit zeigen wollen und Verkaufsverbote für bestimmte Produkte aus Kunststoff auf den Weg gebracht. Wattestäbchen, Besteck, Trinkhalme oder Luftballonstäbe aus Plastik dürfen nicht mehr vertrieben werden. Darüber hinaus werden weitere Produkte, wie etwa Trinkbecher, neuen Regeln unterworfen. Dazu zählen eine Verpflichtung der Gastronomie, alternative Mehrweglösungen anzubieten, und eine Kostenbeteiligung der Hersteller für die Reinigung von verunreinigten öffentlichen Flächen.

Lebensmittelverpackungen: besondere Anforderungen an die Rohstoffqualität

Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ist unverzichtbar. Jedoch sind die Herausforderungen hinsichtlich Müll- und Rohstofftrennung sowie die Voraussetzungen für ein effektives ressourcenschonendes Recycling nicht immer leicht zu erfüllen. Schlecht getrennter Abfall, langanhaltende Verunreinigungen, kaum trennbare Verbundstoffe – all dies erschwert ein für zahlreiche Anwendungen nutzbares Recycling. Denn: Verpackungen für Körperpflege- und Kosmetikprodukte sowie Lebensmittel stellen besondere Anforderungen an die Qualität der Rohstoffe. Für diesen Bereich ist die Verbesserung der Rezyklat-Qualitäten ein wichtiger Hebel, um die Qualitätsnachteile von Kunststoff-Rezyklaten gegenüber Neumaterial zu verringern.

Es sind Investitionen in den technischen Fortschritt von Sortier- und Aufbereitungsprozessen, z. B. durch Einsatz digitaler Wasserzeichen oder chemischer Markierungen auf den Verpackungen notwendig. Verpackungen werden auch in Zukunft gebraucht, auf ihre Schutz- und Frischhaltefunktion kann in den meisten Fällen nicht verzichtet werden. Der Gesetzgeber darf folglich nicht der Versuchung von Detailregulierung und Verbotspolitik erliegen. So wäre beispielsweise eine Festlegung von starren Größenverhältnis-Vorgaben von Produkt zu Verpackung kaum praktikabel. Ein Verbot oder eine überbordende Belastung einzelner Verpackungsmaterialien kann zu ökologischen Rückschritten führen, wie es der aktuelle Boom von kaum recycelbaren Verbunden aus Papier und Kunststoff verdeutlicht.

Dank Verpackung bessere CO2-Bilanz

Im Vergleich mit einem unverpackten Produkt kann die Verpackung zur Verbesserung der CO2-Bilanz beitragen, wenn das Produkt ansonsten häufiger beschädigt wird oder verdirbt und neu produziert werden müsste. Denn der Verpackungsanteil an der CO2-Bilanz des verpackten Produkts ist in der Regel gering. Er reicht von der Butter mit 0,4 %, über das Fischstäbchen mit 3,2 % bis zur Milchschokolade mit etwa 7,0 %.

 

Sofern Sie mehr über das Thema erfahren möchten: Detaillierte Informationen zum Thema finden Sie in den Nachrichten aus der Wissenschaft, Ausgabe 02/2021.

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